Fiktives Interview zu dem Buch „Beim Tanz des Gefreiten - Roman um eine benutzte Generation"

 

Frage:

 

Ihr Buch `Beim Tanz des Gefreiten` im Format von 17 x 22 cm umfasst 640 Seiten in 10-Punkt-Schrift; ein mutiges Unterfangen angesichts schon vorhandener Werke über Hitler ?!

 

Antwort:

Ein Buch `über` Hitler würde ich es nicht nennen, denn es behandelt weder

seine Jugend noch seinen politischen Werdegang. Er wird lediglich während

der zwölf Jahre seines `Dritten Reichs` gesehen; allerdings nicht aus kühler Distanz eines Historikers, sondern aus der Perspektive der von ihm Benutzten.

Frage: Also aus der ihnen bereiteten Situation heraus?
Antwort:

Ja! Das ruft noch unvermindert Empörung hervor und geht unter die Haut, besonders sein infamer Machtmissbrauch - mit dem er damals allerdings nicht allein stand. Spätestens im zweiten Kapitel, wenn die Handlung in Stalins Sowjetunion springt, wird das klar.

Frage:

Und Sie befürchten Rückfall?

Antwort:

Infolge Darlegung der Hitlerzeit nach überwiegend gleichem oder ähnlichem Schema, wurde und wird bei Kinder– und Enkelgeneration der Eindruck erweckt: So ein Fehler `wie denen damals` kann uns nie passieren. - Eine überhebliche Verkennung von Gegebenheiten und Zusammenhängen. Auch in der Demokratie ist die Gefahr von krassem Machtmissbrauch latent vorhanden.

Frage:

Also Gefahr zu Diktatur durch eine Art Hintertür?

Antwort:

Ja, zum Beispiel infolge Verharmlosung der inneren Verrohung beim Menschen durch Gier, und der damit beginnenden Kette von Menschenverachtung, Entgleisung in Gewalt oder nur vorläufige Duldung, letztlich dann doch Diktatur unter irgendeinem Panier, bis hin zu Menschentwertung.

Frage:

Das Buch also ein Warnschild?

Antwort:

Erst mal eine Vergleichsbasis zum Erkennen von Machtmissbrauch an den Beispielen Hitler und Stalin. Deshalb wechselt die Handlung immer wieder von der Herrschaft des Hakenkreuzes zu der von Hammer und Sichel.

Frage:

Sie stellen Stalin und Hitler also auf eine Stufe?

Antwort:

Bezüglich Skrupellosigkeit und Menschenverachtung, ja. Hinsichtlich politischer Klugheit, nein. Indem Stalin Hitler den Rücken zum Angriff auf Polen freihielt, machte er seinen politischen Todfeind zum Getriebenen.

Frage:

Hitler, Getriebener?

Antwort:

Aber sicher! So aufsehenerregend, selbstherrlich, selbstsicher Hitler in den ersten Jahren seines Regimes auch agierte, so unumkehrbar machte er sich mit der Einverleibung der Tschechoslowakei als `Protektorat Böhmen und Mähren` und seinem späteren Kriegsbeginn zum zunehmend hilfloser und verbohrter werdenden Getriebenen. Das wird in dem Buch unmissverständlich herausgestellt.

Frage:

Also ein weiterer Unterschied zum väterlich lächelnden Stalin?

Antwort:

Vielleicht bezüglich Mimik, nicht jedoch in punkto Rücksichtslosigkeit. Stalin bestückte mittels Willkür und Denunziation unablässig seinen Archipel Gulag mit Fronarbeitern aus dem Volk. Auch seitens Hitler wartete auf russische Menschen nichts anderes als deutsche Zwangsarbeit. Und den eigenen Volksgenossen oktroyierte er – in seinem Rassenwahn gegen Juden und Slawen – den elitären Herrenmenschen auf, zwecks entsprechender Verwendung. Auf beiden Seiten perfide Aus- und Benutzung der Menschen.

Frage:

Daher im Untertitel die Rede von `benutzter Generation`?

Antwort:

Ja, die Generation auf beiden Seiten ist gemeint; jeweilig die breite Masse.

Frage:

Also schändliche Benutzung als Verbindendes?

Antwort:

Nicht nur das. In Russland reckten nicht alle die Faust zum kommunistischen Gruß und in Deutschland schrien nicht alle gedankenlos Heil. Bei aller Vorsicht und Angst trieb auch hier Anstand einen beträchtlichen Volksteil zu kritischer Einstellung und Ablehnung brauner Machenschaften.

Frage:

Das hört sich an nach dem Titel des Buches `Nicht alle waren Mörder`?

Antwort:

Für die menschlich souveräne Betrachtung seiner Erlebnisse hat der jüdische Schauspieler und Autor, Michael Degen, meine Hochachtung.

Frage:

War die Darlegung des Machtmissbrauchs der einzige Beweggrund zu Ihrem Werk?

Antwort:

Nein! Wie schon erwähnt, bewegt sich die Handlung fast durchweg auf Ebene einfacher Leute beidseits der Fronten und zeigt dabei lebensnah bewundernswerte Menschen auf. Sei es das in deutsche Zwangsarbeit deportierte Ukrainermädchen Soja, sei es der russische Kapitan Frolow und seine polnische Frau Wanda, das Juden unterstützende BDM-Mädchen Nora, die französischen Kriegsgefangenen Alain und Marcel oder das litauische Ehepaar Deiveleit – nur um ein paar zu nennen.

Frage:

Also Gegensatz zu den sich gebärdenden Machthabern?

Antwort:

Ja, schlichte Menschen, in sich unschätzbaren Wert bergend. Ihr Leben – teils ihr Nichtüberleben – lässt die mit dem Machtmissbrauch und der Verrohung unweigerlich einhergehende Menschenverachtung umso greller erscheinen. Für all das Letztere den Blick zu schärfen, ist das andere große Anliegen meines Buches.

Frage:

Klingt nach jugendlicher, zumindest junger Zielgruppe?

Antwort:

Auch nach älteren Semestern, als Zeitzeugen bzw. Erläuterer.

Fragesteller:

Mit dem Wunsch nach Gelingen, vielen Dank für das Gespräch.